Artikel

An dieser Stelle finden Sie ausgewählte Artikel von Dr. Hubertus Knabe. Sofern diese online zugänglich sind, klicken Sie bitte auf den jeweiligen Link. Sie werden dann automatisch weitergeleitet. Andernfalls klicken Sie bitte auf den Link zum Download.

Irritierend, wie selbstgewiss die Grünen sich verschätzten

Entschiedene Gegner der Wiedervereinigung – Grünen-Wahlplakat im Bundestagswahlkampf 1990

Als Deutschland vor 30 Jahren wiedervereinigt wurde, schätzte keine andere Partei die Lage so falsch ein wie die Grünen. Ein Rückblick auf die Deutschlandpolitik der Umweltpartei für die Tageszeitung Die Welt.

Der 20. September 1990 war ein besonderer Tag. Fast zeitgleich stimmten der Deutsche Bundestag und die freigewählte ostdeutsche Volkskammer über den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik ab. Nach 45 Jahren Teilung beschloss eine überwältigende Mehrheit der Abgeordneten die Wiedervereinigung Deutschlands. Nur die Fraktion der Grünen – neben einer Handvoll Unionsabgeordneter – stimmte im Bundestag fast geschlossen gegen den Einigungsvertrag. Weiterlesen


Die schmutzige Vergangenheit der Linken

Rechtsidentisch mit der SED – Linken-Politiker Petra Pau (l.) und Gregor Gysi beim Empfang zu dessen 65. Geburtstag (Fraktion DIE LINKE im Bundestag, CC BY 2.0)

Mit Geschick hat es die Partei Die Linke vermocht, sich als linke Kraft in Deutschland zu etablieren. Doch ihre Wurzeln liegen in der DDR – das merkt man bis heute. Eine Analyse in der Wochenzeitung Die Tagespost.

Die Erklärung war eindeutig. Am 28. April 2009 versicherte Dr. Karl Holluba vor dem Berliner Landgericht an Eides statt: „Ich bin Bundesschatzmeister der Partei ,DIE LINKE‘. Daher weiß ich: ,DIE LINKE‘ ist rechtsidentisch mit der ,Die Linkspartei.PDS‘, die es seit 2005 gab, und der PDS, die es vorher gab, und der SED, die es vorher gab.“ Weiterlesen


Warnsignale der SPD

Liebäugeln mit den Linken – FridaysForFuture-Demonstration vor der SPD-Zentrale im September 2019

Die Führungsspitze der SPD will eine Koalition mit der Linkspartei auf Bundesebene nicht länger ausschließen. Die Folgen für Deutschland wären gravierend. Ein Gastkommentar für BILD.

Fast könnte man Mitleid haben mit der SPD – ginge es nicht um Deutschland und befänden wir uns nicht in einer äußerst schwierigen Zeit. Aus Verzweiflung über das Dauertief in den Umfragen hat deren Parteichef – wie hieß er gleich noch mal? – eine Koalition mit der Linkspartei ins Spiel gebracht. Der SPD-Vorsitzende erinnert damit an einen, der aus Angst vor dem Tod lieber Selbstmord macht. Weiterlesen


Die D-Mark machte die SED zur reichsten Partei Deutschlands

Originalbeschriftung; ADN-ZB Weisflog 20.11.90-fd- Cottbus: Wahlkampf Die Klebekolonnen, die allerorten durch die Lande ziehen, um die "Wahlkämfer" ins rechte Licht zu rücken, haben offensichtlich nicht nur viel zu tun, sondern auch ein gerüttelt Maß Humor.
Milliarden DDR-Mark in D-Mark umgetauscht – Wahlplakat der PDS zur Bundestagswahl 1990 in Cottbus (Bundesarchiv, Bild 183-1990-1120-308 / Weisflog, Rainer / CC-BY-SA 3.0)

In diesen Tagen jährt sich ein Ereignis zum dreißigsten Mal, das viele Ostdeutsche fast so genau in Erinnerung haben wie den Mauerfall. Am 1. Juli 1990, einem Sonntag, wurde in der DDR die D-Mark eingeführt. Eine Analyse für die Tageszeitung Die Welt über die Währungsunion und ihre heimlichen Profiteure.

Der 30. Juni 1990 war ein warmer Sommertag – doch um Mitternacht knallten am Berliner Alexanderplatz die Sektkorken, als wäre es Sylvester. Hunderte DDR-Bürger warteten in dieser Nacht vor der provisorischen Filiale der Deutschen Bank, um zum ersten Mal im Leben von ihrem Konto D-Mark abzuheben. Manche hatten sich bereits am Nachmittag vor der Bank postiert. Weiterlesen


Der Fall Barbara Borchardt zeigt, dass die Linke das Grundgesetz nur dann im Munde führt, wenn es ihr nützlich erscheint

Eine Linksextremistin als Verfassungsrichterin – Parteibüro der Linkspartei in Berlin-Lichtenberg

In Mecklenburg-Vorpommern wurde mit Barbara Borchardt eine bekennende Linksextremistin zur Verfassungsrichterin gewählt. Auch die CDU hat im Landtag für sie gestimmt. Der Fall macht bundesweit Schlagzeilen. Wer ist die Frau, die in Zukunft im Norden Deutschlands über die Verfassung wachen soll? Eine Spurensuche für die Neue Züricher Zeitung.

Es ist noch nicht lange her, da war der Name Barbara Borchardt den meisten Menschen in Deutschland völlig unbekannt. Das hat sich schlagartig geändert, seitdem die ehemalige Linken-Abgeordnete am 15. Mai vom Landtag in Mecklenburg-Vorpommern von allen Fraktionen mit Ausnahme der AfD zur Richterin am Landesverfassungsgericht gewählt wurde. Von diesem Tag an fanden sich ihr Name und oft auch ein wenig vorteilhaftes Bild der 64-Jährigen fast täglich in den deutschen Medien. Denn Borchardt gehört zu den Mitbegründern einer Organisation, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als verfassungsfeindlich eingestuft wird. Weiterlesen


In der DDR wurde nicht lange gefackelt

Das Foto des Fotografen Abraham Pisarek zeigt die Impfung eines Kindes 1945 in der SBZ.
Pandemie und Diktatur – Impfung in der sowjetischen Besatzungszone (Deutsche Fotothek‎, CC BY-SA 3.0)

Sind Diktaturen den westlichen Demokratien im Kampf gegen SARS-CoV-19 überlegen? Die Geschichte Deutschlands zeigt Vor- und Nachteile der medizinischen Versorgung in beiden deutschen Staaten. Systembedingt fehlte der DDR vor allem eines. Eine Analyse der Epidemiebekämpfung im geteilten Deutschland in der Tageszeitung Die Welt.

Wer in diesen Tagen auf die USA schaut, kommt vielleicht ins Grübeln, ob das westliche politische System tatsächlich den diktatorischen Regimen dieser Welt überlegen ist. Über 20.000 Tote markieren den vorläufigen Höhepunkt der Sars-CoV-2-Pandemie auf dem Territorium der Weltmacht Nr. 1. Demgegenüber wurde das Virus in China nach Angaben der dortigen Behörden bereits Ende März besiegt. Weiterlesen


Der Häftlingsarzt der Stasi – die unglaubliche Geschichte des Dr. Wolfgang Dorr

Unfähig, labil und skrupellos – der Leiter des Stasi-Haftkrankenhauses in Berlin-Hohenschönhausen

Jahrelang war im Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen ein unfähiger Mann für die Behandlung schwerkranker Gefangener zuständig. Mielkes Schützling hatte uneingeschränkte Macht über die Insassen, bis der Häftlingsarzt 1962 endlich suspendiert wurde. Eine wahre Geschichte aus der DDR, erzählt in der Neuen Züricher Zeitung.

Der Minister für Staatssicherheit muss ein Faible für den Mann mit dem welligen Haar und dem leichten Doppelkinn gehabt haben. Anders ist es jedenfalls kaum zu erklären, dass Erich Mielke ausgerechnet Wolfgang Dorr zum Leiter seines Haftkrankenhauses machte – ein «Scharlatan», dem Ärzte der Berliner Charité später «fundierte ärztliche Kenntnisse und Fähigkeiten» absprachen. Bis Mielke ihn endlich von seinen Aufgaben entband, waren Hunderte politische Häftlinge dem Stasi-Major im weissen Kittel hilflos ausgeliefert. Weiterlesen


Familienpolitik der DDR: Von wegen gleichberechtigt

Gruppenbild mit einer Dame ohne Stimmrecht – SED-Politbüro 1968 (Bundesarchiv, Bild 183-G0726-0206-001 / Junge, Peter Heinz / CC-BY-SA 3.0)

In linksliberalen Kreisen wird die Familienpolitik der DDR für fortschrittlich gehalten. In Wirklichkeit brachte diese viel Leid mit sich – vor allem für Frauen und Kinder. Eine Bilanz in der Tagespost.

Der Text könnte aus dem Parteiprogramm der AfD stammen: „Die Familie ist die kleinste Zelle der Gesellschaft. Sie beruht auf der für das Leben geschlossenen Ehe und auf den besonders engen Bindungen, die sich aus den Gefühlsbeziehungen zwischen Mann und Frau und den Beziehungen gegenseitiger Liebe, Achtung und gegenseitigen Vertrauens zwischen allen Familienmitgliedern ergeben.“ Weiterlesen


Protokoll einer Selbstzerstörung

“Zeitenwende” – Erste Sonderausgabe der Berliner Zeitung unter ihrem neuen Besitzer Holger Friedrich 2019

Glaubwürdigkeit ist das wichtigste Kapital im Journalismus. Wer sie zerstört, findet kein Gehör mehr. Der Berliner Verlag zeigt, wie man sich ungewollt selbst demontieren kann. Eine Analyse in der Berliner Morgenpost.

Für Heike S. muss Holger Friedrich etwas Exotisches gehabt haben – ein junger Mann, der DDR-Musik hörte, linientreue Schriftsteller las und unbedingt der SED beitreten wollte. Die 17-Jährige, die wie viele ihres Alters vom real existierenden Sozialismus nichts mehr wissen wollte, fand eine Weile Gefallen an ihm. Umso größer war ihr Entsetzen, als sie erfuhr, dass Friedrich sie nach dem Ende ihrer Liaison denunziert und behauptet hatte, sie wolle die DDR illegal verlassen – was nach ihren Angaben nicht stimmte und ihr unter dem SED-Regime viel Ärger einbrachte. Weiterlesen


Vor 30 Jahren wurde die Stasi-Zentrale gestürmt

“Stasi in die Produktion” – Demonstration vor der Zentrale des Staatssicherheitsdienstes in Berlin am 15. Januar 1990 (Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0115-026 / CC-BY-SA 3.0)

Bürger sorgten vor genau 30 Jahren für den Untergang der Stasi. In Deutschland werden sie nur selten gewürdigt. Eine Erinnerung in der Berliner Morgenpost.

Es war eine denkwürdige Begegnung, als Wolfgang Templin an diesem nasskalten Januarabend das Haus 1 der Ost-Berliner Stasi-Zentrale betrat. Der Dienstsitz des zurückgetretenen Stasi-Ministers Erich Mielke war nur notdürftig beleuchtet, und nirgendwo waren Wachposten zu sehen. Irgendwann stieß der Bürgerrechtler auf einen freundlichen Herrn in Zivil. „Es ist ja nett, dass Sie kommen“, sagte dieser zu ihm, er kenne ihn und freue sich, ihn auf diese Weise persönlich zu treffen. Weiterlesen


Meister der Taktik – ein Nachruf auf Manfred Stolpe

Mann mit Vergangenheit – Der SPD-Politiker Manfred Stolpe auf dem Bundesparteitag der SPD im Dezember 2015 (Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu)

Am 29. Dezember verstarb der langjährige Ministerpräsident von Brandenburg, Manfred Stolpe. Seine Stasi-Verbindungen als Kirchenjurist in der DDR beschäftigten jahrelang die Medien. Ein Nachruf in der Wochenzeitung Die Tagespost.

Als ich Manfred Stolpe 1988 kennenlernte, war ich gerade Studienleiter der Evangelischen Akademie in West-Berlin geworden. Bei meinem Antrittsbesuch in Ost-Berlin fragte ich den damaligen Konsistorialpräsidenten, wie ich DDR-Oppositionellen einen Auftritt in West-Berlin ermöglichen könnte. Mit verschmitztem Lächeln schlug er mir vor, eine Tagung zum Thema „Kirche im Sozialismus“ zu machen. „Dagegen kann niemand etwas haben und Sie können unauffällig auch ein paar Kritiker einladen.“ Weiterlesen


Die Akte “Bernstein”: Was Zeitungsverleger Holger Friedrich der Stasi wirklich berichtete

Nur “Testpersonen” bespitzelt? – Aktendeckel des IM-Vorgangs von Verleger Holger Friedrich

Holger Friedrich, der neue Verleger der “Berliner Zeitung”, behauptet, niemals “aktiv” für die DDR-Staatssicherheit gearbeitet zu haben. Seine 125 Seiten dicke Akte legt einen anderen Schluss nahe. Stasi-Experte Hubertus Knabe analysiert exklusiv für FOCUS Online den IM-Vorgang „Peter Bernstein“ – und zieht ein eindeutiges Fazit.

So sieht Panik aus! Nachdem bekannt wurde, dass der neue Besitzer des Berliner Verlages, Holger Friedrich, Informant des Staatssicherheitsdienstes war, liegen dort die Nerven blank. Innerhalb von vier Tagen veröffentlichte die Berliner Zeitung fünf Texte „In eigener Sache“. Ein Team aus fünf Reportern bekam den Auftrag, die Stasi-Akte des Verlegers auszuwerten. Zusätzlich wurden die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, und ein Historiker als Unterstützer angeheuert. Kolumnist und Ex-68er Götz Aly verkündete schon einmal: „Ich lehne es ab, vorschnell ‚Stasispitzel‘ zu schreien.“ Weiterlesen


Der Mann der von der Stasi kam – für die «Berliner Zeitung» wird die neue Verlagsleitung zum Desaster

Im Besitz eines ehemaligen Stasi-Mitarbeiters – Eingangsschild des Berliner Verlages in der Alten Jakobstraße  105

Nachdem bekanntgeworden ist, dass der neue Verleger der Berliner Zeitung, Holger Friedrich, in der DDR als IM für die DDR-Staatssicherheit gearbeitet hatte, macht sich Entsetzen breit. Das ehemalige SED-Blatt ist damit plötzlich wieder auf dem Weg zurück in die eigene Vergangenheit. Eine Lagebericht in der Neuen Züricher Zeitung.

So schnell kann es gehen! Wie man als Newcomer in kürzester Zeit seinen Ruf verspielen kann, haben in diesen Tagen die neuen Eigentümer der «Berliner Zeitung», Silke und Holger Friedrich, gezeigt. In einer erstmals unter ihrer Ägide erschienenen Ausgabe zum Mauerfall vor dreissig Jahren hatten sie am 8. November auf zwei eng beschriebenen Seiten ihre Vision für die derzeit drittgrösste Tageszeitung der deutschen Hauptstadt dargelegt. Während viele die Neulinge im Verlagsgeschäft bis dahin mit Wohlwollen und Neugier betrachtet hatten, machte sich in den Medien nun blankes Entsetzen breit. Weiterlesen


Wie die Stasi spät triumphierte – und die Täter davonkamen

Täter ohne Strafe – Ehemaliger Gefängnishof der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen

Von den Betreibern des Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen wurde kein einziger bestraft. Statt dessen agitierten sie jahrelang gegen die dort eingerichtete Gedenkstätte. Inzwischen freuen sie sich über die Ablösung des langjährigen Direktors. Ein Gastbeitrag in der Berliner Morgenpost.

Es gibt Bilder, die brennen sich für immer ein ins Gedächtnis. Bei mir ist es das triumphierende Gesicht des einstigen Gefängnischefs von Hohenschönhausen, Siegfried Rataizick. Am Tag, nach dem mir Berlins Kultursenator Klaus Lederer mit zitternden Händen die Kündigung überreicht hatte, stand der ehemalige Stasi-Oberst vor seiner einstigen Wirkungsstätte. Er wollte sich den Auszug des in Stasi-Kreisen so verhassten Direktors der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen persönlich ansehen. Weiterlesen


Besorgniserregende Renaissance des Sozialismus in Deutschland

“Genossen, ich schäme mich nicht für meine kommunistische Vergangenheit” – Werbeplakat für eine Veranstaltung mit dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer im März 2019

Der Wahlausgang in Thüringen wirft grundsätzlichere Fragen auf, als wer dort mit wem regieren soll. Wie konnte es dazu kommen, dass 40 Jahre sozialistischer Diktatur weitgehend aus der Erinnerung verschwunden sind? Ein Essay in der Welt am Sonntag.

Sozialismus ist für viele nicht die Bezeichnung für ein Unrechtsregime, sondern für eine Utopie. Private Unternehmen werden dagegen zu profitgierigen Monstern stilisiert, obwohl auch der Wohlstand ihrer Kritiker zum großen Teil auf deren Ideen und Fleiß beruht. Immer häufiger wird zudem der im Grundgesetz verankerte Schutz privaten Eigentums in Frage gestellt. Weiterlesen


Als Gorbatschow die Mauer öffnete

Schiefes DDR-Bild – KPdSU-Chef Michail Gorbatschow mit Ost-Berliner Jungpionieren auf dem XI. Parteitag der SED im April 1986 (Bundesarchiv, Bild 183-1986-0428-331 / Mittelstädt, Rainer / CC-BY-SA 3.0)

Von der friedlichen Revolution vor 30 Jahren und dem Ende des DDR-Unrechtsstaats erfahren deutsche Schüler fast nichts. Und das wenige, was sie erfahren, ist meist zu einseitig. Ein Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Luca Rinne hat gerade Abitur gemacht, jetzt macht sie ein freiwilliges soziales Jahr bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. „Die DDR“, fragt sie bei einer Veranstaltung in Hannover, „ich kann mich nicht erinnern, dass wir die im Unterricht hatten. Nur am Ende der 10. Klasse ging es mal um die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen.“ Weiterlesen


Linke in Thüringen: Vorsicht!

Bald Regierungspartner der CDU? – Linken-Logo auf dem Bundesparteitag 2017 in Hannover (Foto: Ferran Cornellá)

Besonders in Thüringen ist die Linke für manch ehemalige SED-Funktionäre und Stasi-Mitarbeiter die fast bruchlose Fortsetzung ihres früheren Funktionärslebens. Eine Analyse in der Tagespost, wie die Partei in dem Bundesland tickt.

Bei geschichtsbewussten Beobachtern sorgte das Wahlergebnis in Thüringen für düstere Assoziationen. Mit 54,4 Prozent haben die Parteien am Rand des politischen Spektrums erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik zusammen die absolute Mehrheit gewonnen. Das letzte Mal war dies 1932 der Fall, als KPD und NSDAP auf über 50 Prozent der Stimmen kamen. Weiterlesen


Die DDR und der jüdische Staat: Auftritt einer Informantin

Kampf gegen Israel – Patrouille der Volksfront für die Befreiung Palästinas mit Waffen aus dem Ostblock 1969

Die Stasi bildete israelfeindliche Terroristen aus und versorgte sie mit Waffen. Ausgerechnet die ehemalige Stasi-Mitarbeiterin Anetta Kahane soll jetzt in Berlin über das Verhältnis der DDR zum jüdischen Staat referieren. Ein Zwischenruf in der Neuen Züricher Zeitung.

Der gefährlichste Israel-Hasser der Welt trug bei der Stasi den Decknamen «Ibrahim». Seit 1981 war Abu Nidal, Gegenspieler von PLO-Chef Jassir Arafat, beim DDR-Staatssicherheitsdienst als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) registriert. Der Mann, der für mehr als 100 Anschläge in 20 Ländern verantwortlich ist, war regelmäßig in Ostberlin, von wo aus er jederzeit unkontrolliert in den Westen fahren konnte. Weiterlesen


Die DDR-Geschichtsvergessenheit erreicht ein beunruhigendes Ausmaß

Eingang zum Stasi-Unterlagen-Archiv in Berlin. Es verwahrt insgesamt 111 Regalkilometer mit Unterlagen des DDR-Staatssicherheitsdienstes
Überführung ins Bundesarchiv – Eingang zur Stasi-Unterlagen-Behörde in Berlin

In dieser Woche will der Bundestag beschließen, die Stasi-Unterlagen-Behörde ins Bundesarchiv zu integrieren. Damit beschließt er ihre Auflösung – mit schwachen Argumenten und ohne solides Konzept. Es ist empörend, dass sich darüber niemand empört. Ein Gastbeitrag in der Zeitung Die Welt.

An den Stasi-Akten wäre beinahe die deutsche Wiedervereinigung gescheitert. Als im August 1990 bekannt wurde, dass die Unterlagen des aufgelösten Staatssicherheitsdienstes ins Bundesarchiv kommen sollten, erhob sich in der noch existierenden DDR ein Sturm der Entrüstung. Mit Demonstrationen, Mahnwachen und einem Hungerstreik protestierten empörte Bürger gegen die geplante Enteignung ihrer Geschichte. Weiterlesen


Der Kapitalismus und der Irrtum der Klimaschützer

Change the System, not the Climate – Klimaaktivistin Luisa Neubauer im Mai 2019 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Luisa_Neubauer_05.jpg)

Für den 20. September haben Klimaaktivisten erneut zu einem weltweiten Klimastreik aufgerufen. Viele von ihnen machen den Kapitalismus für die Erderwärmung verantwortlich – zu Unrecht, wie die Geschichte zeigt. Ein Gastkommentar in der Neuen Züricher Zeitung.

Stolz haben sich die jungen Leute vor dem Berliner Reichstag postiert, vor sich ein mannshohes Transparent, auf dem in riesigen Lettern steht: «Capitalism kills». Sie protestieren gegen die ihrer Ansicht nach mangelhaften Bemühungen der deutschen Regierung, den Ausstoß von Kohlendioxid zu senken. Weiterlesen


Ende der DDR war bislang effektivster Beitrag zum deutschen Umweltschutz

Weltmeister im CO2-Ausstoß – DDR-Bergbaugelände bei Cottbus 1984
(Bundesarchiv, Bild 183-1984-0830-009 / Weisflog, Rainer / CC-BY-SA 3.0 )

Die Friedliche Revolution von 1989 hat den Umweltschutz in Deutschland bedeutend vorangetrieben. Klimaaktivisten wie „Fridays for Future“ verkennen diese Tatsache – und halten ausgerechnet die Marktwirtschaft für das ökologische Grundübel. Ein Gastbeitrag in derWelt.

Es gibt nicht viele deutsche Worte, die in die englische Sprache Einzug gehalten haben. Eines davon ist – Angst. Die Deutschen sind international bekannt für ihre Furcht vor der Zukunft, die sich regelmäßig neue Ziele sucht: Angst vor Atomkraftwerken, dem Waldsterben, der Volkszählung, der Vogelgrippe, dem Rinderwahnsinn – und derzeit vor der Erderwärmung. Laut einer repräsentativen Befragung hielten 2018 fast zwei Drittel der Befragten den Klimaschutz für eine sehr wichtige Herausforderung und nur 14 Prozent meinten, die Bundesregierung tue genug dafür. Weiterlesen


Erst die Wahrheit macht frei – Taiwan hat getan, was China noch bevorsteht: sich den Dämonen der vergangenen Diktatur zu stellen

Unterdrückte Erinnerung an 70 Millionen Opfer – Botschaft der Volksrepublik China in Berlin

Rund 70 Millionen Chinesen kamen durch die Exzesse von Maos Herrschaft ums Leben. Bis heute wird die Erinnerung daran in der Volksrepublik China unterdrückt. Auch der Inselstaat Taiwan erlebte unter Tschiang Kai-schek eine blutige Diktatur; ihm ist es gelungen, das dunkle historische Kapital vorbildlich aufzuarbeiten. Ein Reisebericht über ein mögliches China von morgen in der Neuen Züricher Zeitung.

Starr liegt der Mann in seinem Schneewittchensarg, das Haar schütter, die Stirn kahl. Seine Arme sind unter einem roten Tuch verborgen, das von einem gelben Hammer-und-Sichel-Emblem geziert wird. Die Halle, in der der Schrein steht, erinnert mit ihren holzgetäfelten Wänden und den schütteren Grünpflanzen an einen Konferenzsaal des DDR-Staatssicherheitsdienstes. Hier, im Pekinger Mausoleum des KP-Vorsitzenden Mao, defilieren seit mehr als vierzig Jahren täglich Hunderte Chinesen stumm an dem einbalsamierten Leichnam Mao Zedongs vorbei, um dem Gründer der Volksrepublik China ihre Reverenz zu erweisen. Weiterlesen


«Die volkseigene Erfahrung». Oder warum die DDR in Deutschland plötzlich wieder zum Thema wird

Aufbegehren in der DDR – Montagsdemonstration in Leipzig am 23. Oktober 1989 (Bundesarchiv, Bild 183-1989-1023-022 / Friedrich Gahlbeck / CC-BY-SA 3.0)

Im Landtagswahlkampf im deutschen Osten beruft sich die AfD auf die friedliche Revolution von 1989. Diese steht im Zentrum der Debatte, was aus deren ideellem Erbe geworden ist und wer dieses vertritt. In den Gebieten der einstigen DDR gibt es historische Empfindlichkeiten, die man im Westen nur schwer verstehen will. Ein Gastkommentar in der Neuen Züricher Zeitung.

«Vollende die Wende», so prangt es auf der Startseite der AfD Brandenburg im Internet. Für die Landtagswahl am 1. September ruft die Partei, die gemäss Umfragen derzeit im Osten stärkste politische Kraft ist, zur «friedlichen Revolution mit dem Stimmzettel» auf. Auch Spitzenpolitiker der AfD wie Alexander Gauland vergleichen ihre politische Konkurrenz schon mal mit den DDR-Blockparteien, die Bundesregierung mit dem SED-Politbüro und die AfD mit dem Neuen Forum. Wie kommt es, dass die DDR, dreissig Jahre nach dem Mauerfall, plötzlich wieder zum Thema wird? Weiterlesen


Enteignung und Mietenstopp: Die DDR ist kein Vorbild!

Folgen eines Mietendeckels – Heruntergekommenes Wohnhaus in Merseburg 1980
(Dietmar Rabich/Wikimedia Commons/“Merseburg — 1980 — 4” / CC BY-SA 4.0)

1959 hatte SED-Chef Walter Ulbricht versprochen, dass „die seit Jahrhunderten bestehende Wohnungsnot“ beseitigt wird. Doch der Plan scheiterte. Wirken Wohnungsenteignung und Mietenstopp doch nicht? Ein Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Deutschlands berühmteste Hausbesetzerin residiert im Bundeskanzleramt. Sie trägt keine schwarzen Kapuzenpullis, sondern farbige Blazer. Denn die Frau, die 1981 mit einer Bohrmaschine die Tür einer leerstehenden Wohnung in Berlin aufbrach, heißt – Angela Merkel. Weiterlesen


Wenn der Bock zum Gärtner wird – Gregor Gysi in Leipzig

Gedenkrede zur Friedlichen Revolution – Gregor Gysi (r.) am Abend der DDR-Volkskammerwahlen am 18. März 1990
(Bundesarchiv_Bild_183-1990-0318-042,_Berlin,_PDS-Wahlparty,_Hans_Modrow,_Gregor_Gysi)

Der Linken-Politiker und ehemalige SED-Vorsitzende Gregor Gysi soll beim Gedenkkonzert der Leipziger Philharmonie für die Friedliche Revolution am 9. Oktober 2019 sprechen. Ein Kommentar in idea Spektrum.

Die Nachricht klang wie Satire: „Mit einem Gedenkkonzert begehen die Philharmoniker das 30. Jubiläum der Friedlichen Revolution am 9. Oktober. Als Festredner haben die Philharmoniker Dr. Gregor Gysi gewinnen können.“ Der letzte Vorsitzende der SED als Redner zum Gedenken an den Sturz der SED-Diktatur?

Hier geht es zum Download des Artikels:


Mietendeckel: Die DDR zeigt, wohin Mietpreisbindung führt

Bahnhof in Bad Dürrenberg (Dietmar Rabich/Wikimedia Commons/”Bad Dürrenberg — 1980 — 18″/CC BY-SA 4.0)

Der Historiker Hubertus Knabe erinnert an die Folgen der Mietpreisbindung in der DDR. Die eingefrorenen Mieten wurden zum Problem. Ein Rückblick in der Berliner Morgenpost.

Die Erfinder des Mietendeckels sind nicht die Berliner Koalitionsparteien, sondern – die Nationalsozialisten. Am 20. April 1936, dem 47. Geburtstag Adolf Hitlers, ordnete die Reichsregierung an, die Mieten in Deutschland einzufrieren. Die Volksgenossen sollten davor bewahrt werden, aufgrund des großen Wohnungsmangels immer höhere Mieten zu zahlen. Weiterlesen


Was ist dran an „IM Erika“?

Als Stasi-IM verdächtigt – Bundeskanzlerin Angela Merkel im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen (2009)

Wer im Netz nach „Angela Merkel“ sucht, der stößt bald auf „IM Erika“. Nutzer glauben, dass Merkel unter diesem Decknamen für die Stasi gearbeitet hat. Was ist dran an dieser Behauptung? Ein Gastbeitrag in der FAZ.

Wolfgang Stöter mag Literatur, liebt Tiere und fährt Motorrad. Doch wenn es um Bundeskanzlerin Angela Merkel geht, wird er ungemütlich. „Deine Doedel-Partei“, so schrieb er dem stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Ralf Stegner via Twitter, „ist doch mit Begeisterung IM Erika treu gefolgt, ich hätte bald gesagt, in den Arsch gekrochen.“ Weiterlesen


Bei der Linken gilt: Dreistigkeit gewinnt

Kräftig austeilen, um von eigenen Fehlern abzulenken – Linken-Zentrale in Berlin

Linken-Politiker treten in der Öffentlichkeit gern besonders angriffslustig auf. An das eigene Handeln werden hingegen andere Maßstäbe angelegt. Vier Beispiele für linke Doppelmoral. Ein Kommentar von Hubertus Knabe in der WamS.

In diesen Tagen macht die Linkspartei einmal wieder von ihrer Lieblingsmethode Gebrauch – kräftig auszuteilen, um von eigenen Fehlern und Versäumnissen abzulenken. Dieser schon zu DDR-Zeiten praktizierte Kniff erweist sich offenbar auch heute noch als wirksam. Meister dieser Technik ist immer noch der heimliche Dauervorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi. Weiterlesen


Wie der Sozialismus doch noch siegen will

Gysi does it – Sozialismus als Parteiprogramm der Linken

Die Ablehnung der Marktwirtschaft durchzieht das Programm der Linken wie ein roter Faden. In Berlin kann man studieren, wohin dies führt, meint Gastautor Hubertus Knabe im Bremer Weser-Kurier.

Der Sozialismus siecht“, lautete einst ein Bonmot in der DDR – doch unterzukriegen ist er offenbar nicht. Als 1989 die Diktatur der SED gestürzt wurde, hätte jedenfalls kaum jemand gedacht, dass die Partei 30 Jahre später in vielen Parlamenten und drei Landesregierungen sitzen würde. Durch viermalige Umbenennung gelang es ihren Funktionären, sie in das vereinigte Deutschland zu retten. Viele der alten Genossen machen noch immer Politik. Weiterlesen


Die russische «Hölleninsel» Solowki erwacht zu neuem Leben

Einst Muster für den Gulag - das Solowezki-Kloster in Russland
Einst Muster für den Gulag – das Solowezki-Kloster in Russland

Im hohen Norden Russlands arbeiteten sich unter Stalin Zehntausende von Gefangenen zu Tode. Vom einstigen Straflager Solowki ist heute kaum noch etwas zu erkennen, aber das jahrhundertealte Männerkloster versucht die düstere Geschichte zu überwinden. Eine Reise zum Ursprung des Archipel Gulag in der Neuen Züricher Zeitung.

Kalt ist es hier, selbst im August. Die Frauen, die am Hafen die Schiffe erwarten, um ihre selbstgestrickten Mützen und Pullover zu verkaufen, sind dick eingepackt. Viele Menschen steigen nicht aus, denn die Anreise zu den russischen Solowjezki-Inseln im Weißen Meer ist lang. Bis zum Polarkreis sind es noch rund 160 Kilometer. Weiterlesen


Berlin: Für eine ideologiefreie Kulturpolitik

Ideologisierte Kulturpolitik? Berlins Regierungschef Michael Müller (li.) und sein Vize Klaus Lederer

Drei Wochen vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im September 2016 veröffentliche der Tagesspiegel einen Artikel des damaligen Parteivorsitzenden der Linken, Klaus Lederer. Er rühmte darin die Arbeit des früheren Kultursenators und Linken-Abgeordneten Thomas Flierl – zu Unrecht, meint der Historiker Hubertus Knabe in seiner Erwiderung.

In dieser Zeitung erschien kürzlich ein Beitrag des Linken-Vorsitzenden Klaus Lederer, in dem er die Forderung erhob: „Berlin braucht ein eigenständiges Kulturressort“. Nach einem Seitenhieb auf die „kulturelle Nebentätigkeit“ des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller rühmte er den langjährigen Linken-Abgeordneten und Ex-SED-Funktionär Thomas Flierl als „letzten Kultursenator mit Gestaltungsanspruch“. Lederers Beitrag las sich wie eine Initiativbewerbung auf ein noch gar nicht ausgeschriebenes Amt. Weiterlesen


Linksextremismus: Anleitung zum Brandsatzbauen

Umstrittener Laden für "Revolutionsbedarf" in Berlin
“Revolutionsbedarf” – umstrittener Laden für Linksextremisten in Berlin-Kreuzberg

Die Zahl politisch motivierter Gewalttaten in Deutschland ist erschreckend hoch. In der öffentlichen Wahrnehmung dominiert dabei die Gewalt von Rechtsextremisten. Linksextremistische Straftaten werden dagegen oft nur am Rande thematisiert. Es wird Zeit, etwas gegen die linksextreme Gewalt zu tun – fordert Hubertus Knabe in der Huffington Post.

Die Anleitung ist selbst für Laien gut verständlich: Unter “linksunten.indymedia.org” wird im Internet genau beschrieben, wie man einen Brandsatz baut und zeitverzögert zündet – vom Einkauf der Materialien über den spurenfreien Bau bis hin zum richtigen Anzünden. „Viel Erfolg und lasst euch nicht erwischen”, endet der Aufruf im Netz.

Hier geht es zum Download des Artikels:


Deutsche Einheit: (K)ein Grund zum Feiern

Nachträglich wieder ausgebürgert – DDR-Opfer demonstrieren gegen ihre Schlechterstellung bei der Rente

Seit 1990 sind Ost- und Westdeutschland wiedervereinigt. Das Lebensniveau in beiden Teilen Deutschlands hat sich weitgehend angeglichen. Während die meisten ehemaligen DDR-Bürger von der Deutschen Einheit wirtschaftlich enorm profitiert haben, sind viele Opfer der SED von der politischen Entwicklung enttäuscht. Ein Kommentar im Handelsblatt.

Ein Vierteljahrhundert ist es jetzt her, dass die DDR der Bundesrepublik beitrat, fast so lang wie Weimarer Republik und Nationalsozialismus zusammengerechnet existierten. In den 25 Jahren wurden die Wunden, die die kommunistische Diktatur im Osten Deutschlands geschlagen hatte, weitgehend beseitigt. Nur eine Gruppe sieht auf das in den letzten 25 Jahren Erreichte eher enttäuscht zurück – die, die in der DDR politisch verfolgt wurden. Weiterlesen


Thüringen: Auferstanden aus Ruinen

Biotop für Spitzel und alte Kader – Plakat der Linkspartei in Berlin im Europawahlkampf 2019

Von Gregor Gysi bis Petra Pau – eine ganze Reihe ehemaliger SED-Funktionäre sind Mitglieder des Deutschen Bundestages und ostdeutscher Landesparlamente. Auch frühere Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR sind heute Abgeordnete. Allesamt wurden sie von der Partei Die Linke ins Parlament geschickt. Denn die ist bis heute ein Biotop für Spitzel und alte Kader. Eine Situationsbeschreibung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Am 5. Dezember soll in Thüringen mit Bodo Ramelow erstmals ein Politiker der Linken zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Repräsentanten der SPD und der Grünen sind darum bemüht, die Wahl Bodo Ramelows als Akt politischer Normalität erscheinen zu lassen. Doch ein Blick auf den Umgang der Partei mit ihrer Geschichte zeigt, dass die Vergangenheit noch nicht vergangen ist…

Hier geht es zum Download des Artikels:


Tunesien: Was ist wenn die Folterer zurückkehren?

Kein Zugang zu den Akten der Geheimpolizei – Lesesaal des tunesischen Nationalarchivs

In Tunesien will die Vergangenheit nicht vergehen. Auf einer Konferenz in Tunis berichten Opfer des alten Regimes, wie sie in Gefängnissen gequält und verstümmelt wurden. Ihre Peiniger laufen noch immer frei herum. Ein Zustandsbericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Wie ein hohler Zahn ragt das leere Gebäude an der Avenue Mohamed V in den blauen Himmel von Tunis. Das „Weiße Haus“, wie man das Hochhaus aus Glas und hellem Stein hier nennt, war der pompöse Sitz der Diktaturpartei Tunesiens – der „Verfassungsmäßigen Demokratischen Sammlung (RCD)“, wie sie sich selbst bezeichnete. Weiterlesen


Linkspartei: Honeckers Millionen für ein Trojanisches Pferd

Vorposten der SED in der Bundesrepublik – Plakat der Deutschen Friedensunion 1976 (Ausschnitt)

Mit den Stimmen der Linkspartei will sich Andrea Ypsilanti zur hessischen Ministerpräsidentin wählen lassen. Deren Fraktionsvorsitzender Willi van Ooyen schweigt beharrlich zu seiner früheren Arbeit für einen Vorposten der SED in der Bundesrepublik. Eine Gedächtnishilfe in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Wenn die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti sich demnächst zur Ministerpräsidentin wählen lassen will, dann braucht sie dazu einen Abgeordneten, der sehr viel längere politische Erfahrung hat als sie selbst. Als sie 1976 in Rüsselsheim das Abitur ablegte, war der heutige Fraktionschef der Linken Willi van Ooyen bereits beruflich in der Politik aktiv. Weiterlesen


ARD: Mielkes langer Schatten

Mehr Agenten als gedacht – Buchcover “Der diskrete Charme der DDR. Stasi und Westmedien” (Ausschnitt)

Die Stasi führte in den westdeutschen Medien mehr Agenten, als bisher bekannt ist. Jetzt zeigt sich die ARD mit einer neuen Studie als Vorreiterin der Aufklärung. Ihre eigenen Mitarbeiter überprüft sie nicht. Eine Analyse in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Für nichts interessieren sich die Medien so sehr wie für sich selbst. Wenn die ARD am Montag in Berlin zu einer Pressekonferenz lädt, um eine neue Studie über Stasi-Aktivitäten in den Rundfunkanstalten vorzustellen, dürfte der Saal voll sein. Wer weiß, denkt sich mancher, wer wohl alles bei Stasi-Chef Erich Mielke unter Vertrag stand. Weiterlesen


Aufarbeitung: Der lange Schatten der Staatssicherheit

Ehemalige Häftlinge aus Russland beim Stasi-Unterlagen-Beauftragten Roland Jahn
Im Stasi-Unterlagen-Archiv – ehemalige russische Häftlinge mit dem Bundesbeauftragten Roland Jahn (re.)

Die frühe Verabschiedung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes hat Deutschland in den 1990-er Jahren den Ruf eingetragen, den Kommunismus besonders vorbildlich aufzuarbeiten. Mittlerweile haben viele ehemals sozialistische Länder Regelungen gefunden, die den deutschen in nichts nachstehen – und in vielem sogar besser sind. Eine vergleichende Analyse in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Knapp  zwanzig Jahre ist es her, dass der Deutsche Bundestag das Gesetz über die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik verabschiedet hat, Ende September soll es zum achten Mal novelliert werden. Wieder einmal wird darüber diskutiert, mit welchen Instrumenten man die SED-Diktatur am besten aufarbeiten kann…

Zum Download des Artikels geht es hier:


Studentenbewegung: Die Stasi war immer dabei

Der Internationale Vietnamkongress fand am 17. und 18. Februar 1968 im Auditorium maximum der TU Berlin in West-Berlin statt und wurde vom SDS veranstaltet.
Die Pflicht zur Revolution – Internationaler Vietnamkongress des SDS im Februar 1968 in Berlin (Ludwig Binder)

Führende Aktivisten der Studentenbewegung unterhielten geheime Beziehungen zu den Machthabern in der DDR. Das Zusammenspiel mit den Diktatoren hinter der Mauer passt freilich nicht ins Selbstbild vieler Ex-68er – und wird deshalb bis heute verdrängt. Eine Rückschau im Focus Magazin.

Der Bürgerschreck wurde wie ein Staatsgast behandelt: Am 14. November 1967 hielt vor der Westberliner Wohnung Rudi Dutschkes eine dunkle Limousine. Ein Fahrer klingelte an seiner Tür, geleitete den Studentenführer zum Wagen und passierte ohne Kontrolle die innerdeutsche Grenze. Der damalige Chef der Westberliner SED, Gerhard Danelius, eskortierte Dutschke persönlich in die DDR. Weiterlesen


Fußball: Schwarz, rot, gut

Die Medien quälen das Land mit immer neuen Untergangsszenarien: vom Atomkrieg, wie er Anfang der 80er Jahre prognostiziert wurde, über den baldigen Tod der Bäume durch das Waldsterben bis zur weltweiten Klimakatastrophe und zur unvermeidlichen Vergreisung der Deutschen. Warum werden die Erfolge, die Deutschland zweifellos vorzuweisen hat, so selten gefeiert? Ein Kommentar im Tagesspiegel – hier unter dem ursprünglichen Titel.

Das soll meine Tochter sein? Seit Tagen läuft sie mit einem schwarz-rot-goldenen T-Shirt herum, nimmt auf dem Schulweg eine Deutschlandfahne in die Hand und verdeckt ihre blonden Haare mit einer national gefärbten Irokesenperücke. Was ist los mit diesem Land? Weiterlesen


Kriegsende: Mitleid mit den Opfern

Kopf eines Diktators – Duplikat der Ost-Berliner Stalin-Statue in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Die lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga erinnerte 2005 daran erinnert, dass Stalin kein Befreier war – auch wenn er den Nationalsozialismus besiegen half. Die Deutschen hingegen müssen erst noch lernen, dass, wer von den Verbrechen Hitlers spricht, über die Untaten Stalins nicht schweigen kann. Ein Kommentar im Berliner Tagesspiegel.

War Stalin ein Befreier? Nicht nur in Berlin, sondern europaweit hat diese Frage zu heftigen Debatten geführt. Während der russische Präsident Wladimir Putin den 60. Jahrestag des Kriegsendes mit einer Militärparade im Sowjetstil feiern ließ, machten die baltischen Staaten deutlich, dass der 8. Mai 1945 für sie nur den Beginn einer neuen Unfreiheit markierte. Weiterlesen


Expertenkommission: Das Aufarbeitungskombinat

DDR-Jugendliche in FDJ-Blusen marschieren begeistert für den Sozialismus - Wandfries am Bundesfinanzministerium
DDR-Alltag oder Gefängniserfahrungen – Sozialistischer Wandfries am Bundesfinanzministerium in Berlin

Eine Expertenkommission sollte für Ex-Kulturstaatsministerin Christina Weiß (SPD) einen Plan zur Neuordnung der DDR-Aufarbeitung erarbeiten. Heraus kam der Versuch, die Erinnerung an die SED-Diktatur in einem Geschichtsverbund unter staatliche Kontrolle zu nehmen. Hubertus Knabe in der Zeitung Die Welt über merkwürdige Vorschläge zur Neuorganisation des DDR-Gedenkens.

Am Anfang stand eine Indiskretion: Als die frühere Kulturstaatsministerin Christina Weiss im Herbst 2004 Überlegungen in Auftrag gab, die Erinnerungsstätten zur DDR-Geschichte neu zu ordnen, fanden sich diese plötzlich in der Presse wieder. Weiterlesen


Meinungsfreiheit: Vom Recht auf Unrecht

Als Mittel gegen Terroristen sind auch Folter oder die Androhung von Folter für legitim – erklärte der Historiker Michael Wolffsohn in der Fernsehsendung “Maischberger”. Führende Politiker forderten daraufhin personelle Konsequenzen für den Professor an der Bundeswehrhochschule. Doch was nutzt der schönste Rechtsstaat, wenn man im Fernsehen nicht mehr einen unrichtigen Gedanken äußern darf? Ein Plädoyer im Berliner Tagesspiegel gegen die Folter – und für die Meinungsfreiheit.

Wo, wenn nicht hier, kann man erfahren, wie es ist, wenn Gefangene gefoltert werden: Im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen sind die fensterlosen Kellerzellen noch erhalten, in denen der sowjetische Geheimdienst seine Häftlinge einst lebendig begrub. Frühere Insassen berichten den Besuchern, wie sie stundenlang stehen mussten, bis sie zusammenbrachen. Das Schlimmste war der Schlafentzug, der dazu führte, dass man irgendwann alles unterschrieb – nur um endlich schlafen zu dürfen. Weiterlesen


Straßennamen: Wie die DDR in der Provinz weiterlebt

KPD-Funktionär und DDR-Kulturminister – Straßenschilder in Potsdam 2019

In Ostdeutschland haben Tausende kommunistische Straßennamen die Wiedervereinigung überdauert. An den Widerstand wird kaum erinnert – ein Skandal, findet Hubertus Knabe, der langjährige Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, auf Spiegelonline.

Berlin – Wer in Ostdeutschland zu einer Landpartie aufbricht, könnte leicht auf die Idee kommen, die SED sei dort immer noch an der Macht: Ernst-Thälmann-Straße, Rosa-Luxemburg-Straße, Straße der Einheit, Straße der Freundschaft – so heißen fast in jedem Dorf die wichtigsten Straßen. Sie haben nicht nur die friedliche Revolution im Herbst 1989 überdauert, sondern auch Wiedervereinigung und 16 Jahre Demokratie. Weiterlesen


Volksaufstand: Die Intellektuellen und der 17. Juni

Ergebenheitsadresse an Ulbricht - Brecht-Denkmal vor dem Berliner Ensemble
Ergebenheitsadresse an Ulbricht – Brecht-Denkmal vor dem Berliner Ensemble

Bertolt Brecht versicherte der SED im “Neuen Deutschland” seine Verbundenheit. Paul Dessau dankte der Roten Armee, dass sie durch ihr Durchgreifen dem deutschen Volk die Freiheit gesichert hätte. Fritz Cremer begrüßte es, dass die Sowjets mit unerbittlicher Strenge gegen die faschistischen Rowdys Todesurteile fälle. Die Intellektuellen in der DDR spielten eine Schlüsselrolle beim Versuch, den Volksaufstand in der DDR zu einem „faschistischen Putschversuch” umzudeuten. Eine Erinnerung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die Idee wurde im Politbüro geboren: Nachdem am 16. Juni 1953 Tausende Ost-Berliner zum Sitz der DDR-Regierung gezogen waren und die Rücknahme der Normenerhöhung verlangt hatten, behauptete das SED-Zentralorgan “Neues Deutschland” am Tag darauf, “faschistische Provokateure” aus dem Westteil der Stadt hätten sie zu den Protesten angestiftet. Weiterlesen


Stasi: Mielkes Mission

Karabiner und Panzerspähwagen für die Volkspolizei, Kampfgruppen in die Betriebe und FDJ’ler zur Stasi: Wie die Sicherheitskräfte der DDR nach dem 17. Juni 1953 aufgerüstet wurden. Ein Beitrag im Berliner Tagesspiegel.

Für Stunden hatte die SED die Macht bereits verloren: Durch die Straßen der Berliner Innenstadt zogen hunderttausend Menschen und forderten den Rücktritt der Regierung, das Politbüro musste in das sowjetische Hauptquartier nach Karlshorst evakuiert werden. Als Walter Ulbricht am Mittag des 17. Juni im Zentralkomitee anrief, erfuhr er, dass die Demonstranten gerade dabei seien, die Parteizentrale zu erstürmen. Der Generalsekretär wurde bleich und brachte nur noch eins hervor: „Aus“. Weiterlesen


Geschichte: Das letzte Jahr des Heinrich George

Abgeschabt – die Lagerjacke von Heinrich George in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Heinrich George war einer der populärsten Schauspieler der 1920-er und 1930-er Jahre. 1945 verhaftete die sowjetische Geheimpolizei den Vater von Götz George als angeblichen NSDAP-Aktivisten. Seine letzten Monate verbrachte er in den Sowjetlagern Hohenschönhausen und Sachsenhausen. Eine Erinnerung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Kalt und dunkel ist es, als der siebenjährige Götz George nach langer, umständlicher Fahrt durch das zerbombte Berlin endlich vor dem Tor des sowjetischen Haftlagers in Berlin-Hohenschönhausen steht. Hier, hinter den unüberwindlichen Absperrungen aus Stacheldraht und hölzernen Wachtürmen, wird sein Vater, der Schauspieler und Intendant Heinrich George, seit einem halben Jahr festgehalten. Es ist der 6. Dezember 1945, sieben Monate nach dem Untergang des glorreichen Dritten Reiches…

Hier geht es zum Download des Artikels:


68er-Bewegung: Wie Ost-Berlin gegen den Springer Verlag mobil machte

Held und Anti-Held: Rudi-Dutschke-Straße am Axel Springer Verlag in Berlin-Kreuzberg
Held und Anti-Held – Rudi-Dutschke-Straße am Axel Springer Verlag

Dokumente der DDR-Staatssicherheit zeigen die Arbeitsweise einer Allianz aus Stasi, Studentenbewegung und Teilen der Medien. Hubertus Knabe in der Zeitung Die Welt über die Rolle der Stasi in der Anti-Springer-Kampagne.

Es waren Szenen, die die Republik erschütterten: Vor 33 Jahren, zu Ostern 1968, belagerten aufgebrachte Studenten die Zentrale des Springer Verlags in der West-Berliner Kochstraße. Sie stürzten Lastwagen um, warfen Molotowcocktails und stürmten schließlich das Foyer des Hauses. Weiterlesen


Stasi? Immer dabei

Verhaftet und wieder freigelassen – Grünen-Gründerin Petra Kelly mit Noch-Parteifreund Otto Schily 1983
(Bundesarchiv, B 145 Bild-F065187-0022 / Reineke, Engelbert / CC-BY-SA 3.0)

Die DDR-Staatssicherheit wird gemeinhin als ostdeutsches Problem betrachtet. Aber die Stasi operierte ebenso in Westdeutschland – sogar bei den Grünen. In dem Buch „Die unterwanderte Republik“ wird die Politik DDR-ergebener Kräfte in der Ökopartei enthüllt. Notizen in der taz zu einer wichtigen Vergangenheitsbewältigung.

Von Hubertus Knabe

Am 12. Mai 1983 reiste die grüne Bundestagsabgeordnete Petra Kelly nach Ostberlin, um dort ein Plakat zu entrollen. Stasi-Mitarbeiter beendeten die Aktion nach wenigen Minuten. Kelly und ihre vier Mitstreiter wurden festgenommen – und wenig später höflich-entschuldigend wieder freigelassen. Die Stasi hatte realisiert, dass sie die prominenteste Gegnerin der Nato-Nachrüstung in Gewahrsam genommen hatte. Weiterlesen