2010 bis 2019

An dieser Stelle finden Sie ausgewählte Artikel von Dr. Hubertus Knabe von Januar 2010 bis Dezember 2019. Die Texte sind rücklaufend chronologisch angeordnet. Sofern sie online zugänglich sind, klicken Sie bitte auf den jeweiligen Link. Sie werden dann automatisch weitergeleitet. Andernfalls klicken Sie bitte auf den Link zum Download.


Der Mann der von der Stasi kam – für die «Berliner Zeitung» wird die neue Verlagsleitung zum Desaster

Im Besitz eines ehemaligen Stasi-Mitarbeiters – Eingangsschild des Berliner Verlages in der Alten Jakobstraße  105

Nachdem bekanntgeworden ist, dass der neue Verleger der Berliner Zeitung, Holger Friedrich, in der DDR als IM für die DDR-Staatssicherheit gearbeitet hatte, macht sich Entsetzen breit. Das ehemalige SED-Blatt ist damit plötzlich wieder auf dem Weg zurück in die eigene Vergangenheit. Eine Lagebericht in der Neuen Zürcher Zeitung.

19.11.2019. So schnell kann es gehen! Wie man als Newcomer in kürzester Zeit seinen Ruf verspielen kann, haben in diesen Tagen die neuen Eigentümer der «Berliner Zeitung», Silke und Holger Friedrich, gezeigt. In einer erstmals unter ihrer Ägide erschienenen Ausgabe zum Mauerfall vor dreissig Jahren hatten sie am 8. November auf zwei eng beschriebenen Seiten ihre Vision für die derzeit drittgrösste Tageszeitung der deutschen Hauptstadt dargelegt. Während viele die Neulinge im Verlagsgeschäft bis dahin mit Wohlwollen und Neugier betrachtet hatten, machte sich in den Medien nun blankes Entsetzen breit. Weiterlesen


Wie die Stasi spät triumphierte – und die Täter davonkamen

Täter ohne Strafe – Ehemaliger Gefängnishof der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen

Von den Betreibern des Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen wurde kein einziger bestraft. Statt dessen agitierten sie jahrelang gegen die dort eingerichtete Gedenkstätte. Inzwischen freuen sie sich über die Ablösung des langjährigen Direktors. Ein Gastbeitrag in der Berliner Morgenpost.

09.11.2019. Es gibt Bilder, die brennen sich für immer ein ins Gedächtnis. Bei mir ist es das triumphierende Gesicht des einstigen Gefängnischefs von Hohenschönhausen, Siegfried Rataizick. Am Tag, nach dem mir Berlins Kultursenator Klaus Lederer mit zitternden Händen die Kündigung überreicht hatte, stand der ehemalige Stasi-Oberst vor seiner einstigen Wirkungsstätte. Er wollte sich den Auszug des in Stasi-Kreisen so verhassten Direktors der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen persönlich ansehen. Weiterlesen


Als Gorbatschow die Mauer öffnete

Schiefes DDR-Bild – KPdSU-Chef Michail Gorbatschow mit Ost-Berliner Jungpionieren auf dem XI. Parteitag der SED im April 1986 (Bundesarchiv, Bild 183-1986-0428-331 / Mittelstädt, Rainer / CC-BY-SA 3.0)

Von der friedlichen Revolution vor 30 Jahren und dem Ende des DDR-Unrechtsstaats erfahren deutsche Schüler fast nichts. Und das wenige, was sie erfahren, ist meist zu einseitig. Ein Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

09.11.2019. Luca Rinne hat gerade Abitur gemacht, jetzt macht sie ein freiwilliges soziales Jahr bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. „Die DDR“, fragt sie bei einer Veranstaltung in Hannover, „ich kann mich nicht erinnern, dass wir die im Unterricht hatten. Nur am Ende der 10. Klasse ging es mal um die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen.“ Weiterlesen


Besorgniserregende Renaissance des Sozialismus in Deutschland

„Genossen, ich schäme mich nicht für meine kommunistische Vergangenheit“ – Werbeplakat für eine Veranstaltung mit dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer im März 2019

Der Sieg der Linken in Thüringen zeigt, dass 40 Jahre Diktatur weitgehend vergessen sind. Sozialismus ist für viele wieder eine positive Utopie, warnt Hubertus Knabe in der Tageszeitung Die Welt. Politiker meinten, sie dürften Bürgern vorschreiben, wie sie zu leben hätten.

05.11.2019. Der Wahlausgang in Thüringen wirft grundsätzlichere Fragen auf, als wer dort mit wem regieren soll. Wie konnte es dazu kommen, dass 40 Jahre sozialistischer Diktatur weitgehend aus der Erinnerung verschwunden sind? Weiterlesen


Linke in Thüringen: Vorsicht!

Bald Regierungspartner der CDU? – Linken-Logo auf dem Bundesparteitag 2017 in Hannover (Foto: Ferran Cornellá)

Besonders in Thüringen ist die Linke für manch ehemalige SED-Funktionäre und Stasi-Mitarbeiter die fast bruchlose Fortsetzung ihres früheren Funktionärslebens. Eine Analyse in der Tagespost, wie die Partei in dem Bundesland tickt.

02.11.2019. Bei geschichtsbewussten Beobachtern sorgte das Wahlergebnis in Thüringen für düstere Assoziationen. Mit 54,4 Prozent haben die Parteien am Rand des politischen Spektrums erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik zusammen die absolute Mehrheit gewonnen. Das letzte Mal war dies 1932 der Fall, als KPD und NSDAP auf über 50 Prozent der Stimmen kamen. Weiterlesen


Die DDR und der jüdische Staat: Auftritt einer Informantin

Kampf gegen Israel – Patrouille der Volksfront für die Befreiung Palästinas mit Waffen aus dem Ostblock 1969

Die Stasi bildete israelfeindliche Terroristen aus und versorgte sie mit Waffen. Ausgerechnet die ehemalige Stasi-Mitarbeiterin Anetta Kahane soll jetzt in Berlin über das Verhältnis der DDR zum jüdischen Staat referieren. Ein Zwischenruf in der Neuen Züricher Zeitung.

11.10.2019. Der gefährlichste Israel-Hasser der Welt trug bei der Stasi den Decknamen «Ibrahim». Seit 1981 war Abu Nidal, Gegenspieler von PLO-Chef Jassir Arafat, beim DDR-Staatssicherheitsdienst als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) registriert. Der Mann, der für mehr als 100 Anschläge in 20 Ländern verantwortlich ist, war regelmäßig in Ostberlin, von wo aus er jederzeit unkontrolliert in den Westen fahren konnte. Weiterlesen


Die DDR-Geschichtsvergessenheit erreicht ein beunruhigendes Ausmaß

Eingang zum Stasi-Unterlagen-Archiv in Berlin. Es verwahrt insgesamt 111 Regalkilometer mit Unterlagen des DDR-Staatssicherheitsdienstes
Überführung ins Bundesarchiv – Eingang zur Stasi-Unterlagen-Behörde in Berlin

In dieser Woche will der Bundestag beschließen, die Stasi-Unterlagen-Behörde ins Bundesarchiv zu integrieren. Damit beschließt er ihre Auflösung – mit schwachen Argumenten und ohne solides Konzept. Es ist empörend, dass sich darüber niemand empört. Ein Gastbeitrag in der Zeitung Die Welt.

23.09.2019. An den Stasi-Akten wäre beinahe die deutsche Wiedervereinigung gescheitert. Als im August 1990 bekannt wurde, dass die Unterlagen des aufgelösten Staatssicherheitsdienstes ins Bundesarchiv kommen sollten, erhob sich in der noch existierenden DDR ein Sturm der Entrüstung. Mit Demonstrationen, Mahnwachen und einem Hungerstreik protestierten empörte Bürger gegen die geplante Enteignung ihrer Geschichte. Weiterlesen


Der Kapitalismus und der Irrtum der Klimaschützer

Change the System, not the Climate – Klimaaktivistin Luisa Neubauer im Mai 2019 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Luisa_Neubauer_05.jpg)

Für den 20. September haben Klimaaktivisten erneut zu einem weltweiten Klimastreik aufgerufen. Viele von ihnen machen den Kapitalismus für die Erderwärmung verantwortlich – zu Unrecht, wie die Geschichte zeigt. Ein Gastkommentar in der Neuen Züricher Zeitung.

19.09.2019. Stolz haben sich die jungen Leute vor dem Berliner Reichstag postiert, vor sich ein mannshohes Transparent, auf dem in riesigen Lettern steht: «Capitalism kills». Sie protestieren gegen die ihrer Ansicht nach mangelhaften Bemühungen der deutschen Regierung, den Ausstoß von Kohlendioxid zu senken. Weiterlesen


Ende der DDR war bislang effektivster Beitrag zum deutschen Umweltschutz

Weltmeister im CO2-Ausstoß – DDR-Bergbaugelände bei Cottbus 1984
(Bundesarchiv, Bild 183-1984-0830-009 / Weisflog, Rainer / CC-BY-SA 3.0 )

Die Friedliche Revolution von 1989 hat den Umweltschutz in Deutschland bedeutend vorangetrieben. Klimaaktivisten wie „Fridays for Future“ verkennen diese Tatsache – und halten ausgerechnet die Marktwirtschaft für das ökologische Grundübel. Ein Gastbeitrag in derWelt.

29.08.2019. Es gibt nicht viele deutsche Worte, die in die englische Sprache Einzug gehalten haben. Eines davon ist – Angst. Die Deutschen sind international bekannt für ihre Furcht vor der Zukunft, die sich regelmäßig neue Ziele sucht: Angst vor Atomkraftwerken, dem Waldsterben, der Volkszählung, der Vogelgrippe, dem Rinderwahnsinn – und derzeit vor der Erderwärmung. Laut einer repräsentativen Befragung hielten 2018 fast zwei Drittel der Befragten den Klimaschutz für eine sehr wichtige Herausforderung und nur 14 Prozent meinten, die Bundesregierung tue genug dafür. Weiterlesen


Erst die Wahrheit macht frei – Taiwan hat getan, was China noch bevorsteht: sich den Dämonen der vergangenen Diktatur zu stellen

Unterdrückte Erinnerung an 70 Millionen Opfer – Botschaft der Volksrepublik China in Berlin

Rund 70 Millionen Chinesen kamen durch die Exzesse von Maos Herrschaft ums Leben. Bis heute wird die Erinnerung daran in der Volksrepublik China unterdrückt. Auch der Inselstaat Taiwan erlebte unter Tschiang Kai-schek eine blutige Diktatur; ihm ist es gelungen, das dunkle historische Kapital vorbildlich aufzuarbeiten. Ein Reisebericht über ein mögliches China von morgen in der Neuen Zürcher Zeitung.

18.08.2019. Starr liegt der Mann in seinem Schneewittchensarg, das Haar schütter, die Stirn kahl. Seine Arme sind unter einem roten Tuch verborgen, das von einem gelben Hammer-und-Sichel-Emblem geziert wird. Die Halle, in der der Schrein steht, erinnert mit ihren holzgetäfelten Wänden und den schütteren Grünpflanzen an einen Konferenzsaal des DDR-Staatssicherheitsdienstes. Hier, im Pekinger Mausoleum des KP-Vorsitzenden Mao, defilieren seit mehr als vierzig Jahren täglich Hunderte Chinesen stumm an dem einbalsamierten Leichnam Mao Zedongs vorbei, um dem Gründer der Volksrepublik China ihre Reverenz zu erweisen. Weiterlesen


«Die volkseigene Erfahrung». Oder warum die DDR in Deutschland plötzlich wieder zum Thema wird

Aufbegehren in der DDR – Montagsdemonstration in Leipzig am 23. Oktober 1989 (Bundesarchiv, Bild 183-1989-1023-022 / Friedrich Gahlbeck / CC-BY-SA 3.0)

Im Landtagswahlkampf im deutschen Osten beruft sich die AfD auf die friedliche Revolution von 1989. Diese steht im Zentrum der Debatte, was aus deren ideellem Erbe geworden ist und wer dieses vertritt. In den Gebieten der einstigen DDR gibt es historische Empfindlichkeiten, die man im Westen nur schwer verstehen will. Ein Gastkommentar in der Neuen Züricher Zeitung.

16.08.2019. «Vollende die Wende» – so prangt es auf der Startseite der AfD Brandenburg im Internet. Für die Landtagswahl am 1. September ruft die Partei, die gemäss Umfragen derzeit im Osten stärkste politische Kraft ist, zur «friedlichen Revolution mit dem Stimmzettel» auf. Auch Spitzenpolitiker der AfD wie Alexander Gauland vergleichen ihre politische Konkurrenz schon mal mit den DDR-Blockparteien, die Bundesregierung mit dem SED-Politbüro und die AfD mit dem Neuen Forum. Wie kommt es, dass die DDR, dreissig Jahre nach dem Mauerfall, plötzlich wieder zum Thema wird? Weiterlesen


Enteignung und Mietenstopp: Die DDR ist kein Vorbild!

Folgen eines Mietendeckels – Heruntergekommenes Wohnhaus in Merseburg 1980
(Dietmar Rabich/Wikimedia Commons/“Merseburg — 1980 — 4” / CC BY-SA 4.0)

1959 hatte SED-Chef Walter Ulbricht versprochen, dass „die seit Jahrhunderten bestehende Wohnungsnot“ beseitigt wird. Doch der Plan scheiterte. Wirken Wohnungsenteignung und Mietenstopp doch nicht? Ein Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

01.08.2019. Deutschlands berühmteste Hausbesetzerin residiert im Bundeskanzleramt. Sie trägt keine schwarzen Kapuzenpullis, sondern farbige Blazer. Denn die Frau, die 1981 mit einer Bohrmaschine die Tür einer leerstehenden Wohnung in Berlin aufbrach, heißt – Angela Merkel. Weiterlesen


Wenn der Bock zum Gärtner wird – Gregor Gysi in Leipzig

Gedenkrede zur Friedlichen Revolution – Gregor Gysi (r.) am Abend der DDR-Volkskammerwahlen am 18. März 1990
(Bundesarchiv_Bild_183-1990-0318-042,_Berlin,_PDS-Wahlparty,_Hans_Modrow,_Gregor_Gysi)

Der Linken-Politiker und ehemalige SED-Vorsitzende Gregor Gysi soll beim Gedenkkonzert der Leipziger Philharmonie für die Friedliche Revolution am 9. Oktober 2019 sprechen. Ein Kommentar in idea Spektrum.

03.07.2019. Die Nachricht klang wie Satire: „Mit einem Gedenkkonzert begehen die Philharmoniker das 30. Jubiläum der Friedlichen Revolution am 9. Oktober. Als Festredner haben die Philharmoniker Dr. Gregor Gysi gewinnen können.“ Der letzte Vorsitzende der SED als Redner zum Gedenken an den Sturz der SED-Diktatur?

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Mietendeckel: Die DDR zeigt, wohin Mietpreisbindung führt

Bahnhof in Bad Dürrenberg (Dietmar Rabich/Wikimedia Commons/“Bad Dürrenberg — 1980 — 18″/CC BY-SA 4.0)

Der Historiker Hubertus Knabe erinnert an die Folgen der Mietpreisbindung in der DDR. Die eingefrorenen Mieten wurden zum Problem. Ein Rückblick in der Berliner Morgenpost.

23.06.2019. Die Erfinder des Mietendeckels sind nicht die Berliner Koalitionsparteien, sondern – die Nationalsozialisten. Am 20. April 1936, dem 47. Geburtstag Adolf Hitlers, ordnete die Reichsregierung an, die Mieten in Deutschland einzufrieren. Die Volksgenossen sollten davor bewahrt werden, aufgrund des großen Wohnungsmangels immer höhere Mieten zu zahlen. Weiterlesen


Was ist dran an „IM Erika“?

Als Stasi-IM verdächtigt – Bundeskanzlerin Angela Merkel im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen (2009)

Wer im Netz nach „Angela Merkel“ sucht, der stößt bald auf „IM Erika“. Nutzer glauben, dass Merkel unter diesem Decknamen für die Stasi gearbeitet hat. Was ist dran an dieser Behauptung? Ein Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

11.06.2019. Wolfgang Stöter mag Literatur, liebt Tiere und fährt Motorrad. Doch wenn es um Bundeskanzlerin Angela Merkel geht, wird er ungemütlich. „Deine Doedel-Partei“, so schrieb er dem stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Ralf Stegner via Twitter, „ist doch mit Begeisterung IM Erika treu gefolgt, ich hätte bald gesagt, in den Arsch gekrochen.“ Weiterlesen


Bei der Linken gilt: Dreistigkeit gewinnt

Kräftig austeilen, um von eigenen Fehlern abzulenken – Linken-Zentrale in Berlin

Linken-Politiker treten in der Öffentlichkeit gern besonders angriffslustig auf. An das eigene Handeln werden hingegen andere Maßstäbe angelegt. Vier Beispiele für linke Doppelmoral. Ein Kommentar von Hubertus Knabe in der Welt am Sonntag.

12.06.2019. In diesen Tagen macht die Linkspartei einmal wieder von ihrer Lieblingsmethode Gebrauch – kräftig auszuteilen, um von eigenen Fehlern und Versäumnissen abzulenken. Dieser schon zu DDR-Zeiten praktizierte Kniff erweist sich offenbar auch heute noch als wirksam. Meister dieser Technik ist immer noch der heimliche Dauervorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi. Weiterlesen


Wie der Sozialismus doch noch siegen will

Gysi does it – Sozialismus als Parteiprogramm der Linken

Die Ablehnung der Marktwirtschaft durchzieht das Programm der Linken wie ein roter Faden. In Berlin kann man studieren, wohin dies führt, meint Gastautor Hubertus Knabe im Bremer Weser-Kurier.

20.05.2019. „Der Sozialismus siecht“, lautete einst ein Bonmot in der DDR – doch unterzukriegen ist er offenbar nicht. Als 1989 die Diktatur der SED gestürzt wurde, hätte jedenfalls kaum jemand gedacht, dass die Partei 30 Jahre später in vielen Parlamenten und drei Landesregierungen sitzen würde. Durch viermalige Umbenennung gelang es ihren Funktionären, sie in das vereinigte Deutschland zu retten. Viele der alten Genossen machen noch immer Politik. Weiterlesen


Die russische «Hölleninsel» Solowki erwacht zu neuem Leben

Einst Muster für den Gulag - das Solowezki-Kloster in Russland
Einst Muster für den Gulag – das Solowezki-Kloster in Russland

Im hohen Norden Russlands arbeiteten sich unter Stalin Zehntausende von Gefangenen zu Tode. Vom einstigen Straflager Solowki ist heute kaum noch etwas zu erkennen, aber das jahrhundertealte Männerkloster versucht die düstere Geschichte zu überwinden. Eine Reise zum Ursprung des Archipel Gulag in der Neuen Zürcher Zeitung.

05.04.2019. Kalt ist es hier, selbst im August. Die Frauen, die am Hafen die Schiffe erwarten, um ihre selbstgestrickten Mützen und Pullover zu verkaufen, sind dick eingepackt. Viele Menschen steigen nicht aus, denn die Anreise zu den russischen Solowjezki-Inseln im Weißen Meer ist lang. Bis zum Polarkreis sind es noch rund 160 Kilometer. Weiterlesen


Berlin: Für eine ideologiefreie Kulturpolitik

Ideologisierte Kulturpolitik? Berlins Regierungschef Michael Müller (li.) und sein Vize Klaus Lederer

Drei Wochen vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im September 2016 veröffentliche der Tagesspiegel einen Artikel des damaligen Parteivorsitzenden der Linken, Klaus Lederer. Er rühmte darin die Arbeit des früheren Kultursenators und Linken-Abgeordneten Thomas Flierl – zu Unrecht, meint der Historiker Hubertus Knabe in seiner Erwiderung.

11.10.2016. In dieser Zeitung erschien kürzlich ein Beitrag des Linken-Vorsitzenden Klaus Lederer, in dem er die Forderung erhob: „Berlin braucht ein eigenständiges Kulturressort“. Nach einem Seitenhieb auf die „kulturelle Nebentätigkeit“ des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller rühmte er den langjährigen Linken-Abgeordneten und Ex-SED-Funktionär Thomas Flierl als „letzten Kultursenator mit Gestaltungsanspruch“. Lederers Beitrag las sich wie eine Initiativbewerbung auf ein noch gar nicht ausgeschriebenes Amt. Weiterlesen


Linksextremismus: Anleitung zum Brandsatzbauen

Umstrittener Laden für "Revolutionsbedarf" in Berlin
„Revolutionsbedarf“ – umstrittener Laden für Linksextremisten in Berlin-Kreuzberg

Die Zahl politisch motivierter Gewalttaten in Deutschland ist erschreckend hoch. In der öffentlichen Wahrnehmung dominiert dabei die Gewalt von Rechtsextremisten. Linksextremistische Straftaten werden dagegen oft nur am Rande thematisiert. Es wird Zeit, etwas gegen die linksextreme Gewalt zu tun – fordert Hubertus Knabe in der Huffington Post.

21.07.2016. Die Anleitung ist selbst für Laien gut verständlich: Unter „linksunten.indymedia.org“ wird im Internet genau beschrieben, wie man einen Brandsatz baut und zeitverzögert zündet – vom Einkauf der Materialien über den spurenfreien Bau bis hin zum richtigen Anzünden. „Viel Erfolg und lasst euch nicht erwischen“, endet der Aufruf im Netz.

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Deutsche Einheit: (K)ein Grund zum Feiern

Nachträglich wieder ausgebürgert – DDR-Opfer demonstrieren gegen ihre Schlechterstellung bei der Rente

Seit 1990 sind Ost- und Westdeutschland wiedervereinigt. Das Lebensniveau in beiden Teilen Deutschlands hat sich weitgehend angeglichen. Während die meisten ehemaligen DDR-Bürger von der Deutschen Einheit wirtschaftlich enorm profitiert haben, sind viele Opfer der SED von der politischen Entwicklung enttäuscht. Ein Kommentar im Handelsblatt.

03.10.2015. Ein Vierteljahrhundert ist es jetzt her, dass die DDR der Bundesrepublik beitrat, fast so lang wie Weimarer Republik und Nationalsozialismus zusammengerechnet existierten. In den 25 Jahren wurden die Wunden, die die kommunistische Diktatur im Osten Deutschlands geschlagen hatte, weitgehend beseitigt. Nur eine Gruppe sieht auf das in den letzten 25 Jahren Erreichte eher enttäuscht zurück – die, die in der DDR politisch verfolgt wurden. Weiterlesen


Auferstanden aus Ruinen

Biotop für Spitzel und alte Kader – Plakat der Linkspartei in Berlin im Europawahlkampf 2019

Von Gregor Gysi bis Petra Pau – eine ganze Reihe ehemaliger SED-Funktionäre sind Mitglieder des Deutschen Bundestages und ostdeutscher Landesparlamente. Auch frühere Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR sind heute Abgeordnete. Allesamt wurden sie von der Partei Die Linke ins Parlament geschickt. Denn die ist bis heute ein Biotop für Spitzel und alte Kader. Eine Situationsbeschreibung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

01.12.2014. Am 5. Dezember soll in Thüringen mit Bodo Ramelow erstmals ein Politiker der Linken zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Repräsentanten der SPD und der Grünen sind darum bemüht, die Wahl Bodo Ramelows als Akt politischer Normalität erscheinen zu lassen. Doch ein Blick auf den Umgang der Partei mit ihrer Geschichte zeigt, dass die Vergangenheit noch nicht vergangen ist. Weiterlesen


Studentenbewegung: Die Stasi war immer dabei

Der Internationale Vietnamkongress fand am 17. und 18. Februar 1968 im Auditorium maximum der TU Berlin in West-Berlin statt und wurde vom SDS veranstaltet.
Die Pflicht zur Revolution – Internationaler Vietnamkongress des SDS im Februar 1968 in Berlin (Ludwig Binder)

Führende Aktivisten der Studentenbewegung unterhielten geheime Beziehungen zu den Machthabern in der DDR. Das Zusammenspiel mit den Diktatoren hinter der Mauer passt freilich nicht ins Selbstbild vieler Ex-68er – und wird deshalb bis heute verdrängt. Eine Rückschau im Focus Magazin.

15.11.2013. Der Bürgerschreck wurde wie ein Staatsgast behandelt: Am 14. November 1967 hielt vor der Westberliner Wohnung Rudi Dutschkes eine dunkle Limousine. Ein Fahrer klingelte an seiner Tür, geleitete den Studentenführer zum Wagen und passierte ohne Kontrolle die innerdeutsche Grenze. Der damalige Chef der Westberliner SED, Gerhard Danelius, eskortierte Dutschke persönlich in die DDR. Weiterlesen


Das blutige Erbe von Bruder Nummer 1

Kaum eine Diktatur war grausamer als jene der Roten Khmer. Heute versucht Kambodscha, die Schrecken seiner Vergangenheit aufzuarbeiten. Ein Situationsbericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

19.05.2012. Es dauert lange, ehe man sich aus der kambodschanischen Hauptstadt Phom Penh durch den chaotischen Verkehrsstrom aus verbeulten Fahrrädern, knatternden Mopeds, orangefarbenen Tuktuks (eine Art motorisierte Rikscha) sowie nagelneuen japanischen Geländewagen gekämpft hat. Irgendwann lässt der Pulsschlag der asiatisch wuselnden Stadt langsam nach, die improvisierten Bratstände und Verkaufsstellen am Straßenrand werden seltener, ein paar graue Mauern schmutziger Gewerbegebiete ziehen noch vorüber, bis schließlich der erste Wasserbüffel mit seinen geschwungen Hörnern auftaucht und rechts und links der Straße das flache, von Wasser durchtränkte Grün der Reisfelder und Obstplantagen beginnt. Hier, in dieser tropischen Idylle, befindet sich die weltweit größte Ansammlung von Schädeln und Knochen ermordeter Menschen, gestapelt in einem Turm mit 17 Etagen, so hoch, dass die Spitze im gleißenden Licht der Sonne verschwimmt. Weiterlesen


Tunesien: Was ist wenn die Folterer zurückkehren?

Kein Zugang zu den Akten der Geheimpolizei – Lesesaal des tunesischen Nationalarchivs

In Tunesien will die Vergangenheit nicht vergehen. Auf einer Konferenz in Tunis berichten Opfer des alten Regimes, wie sie in Gefängnissen gequält und verstümmelt wurden. Ihre Peiniger laufen noch immer frei herum. Ein Zustandsbericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

14.08.2012. Wie ein hohler Zahn ragt das leere Gebäude an der Avenue Mohamed V in den blauen Himmel von Tunis. Das „Weiße Haus“, wie man das Hochhaus aus Glas und hellem Stein hier nennt, war der pompöse Sitz der Diktaturpartei Tunesiens – der „Verfassungsmäßigen Demokratischen Sammlung (RCD)“, wie sie sich selbst bezeichnete. Weiterlesen


Der lange Schatten der Staatssicherheit

Ehemalige Häftlinge aus Russland beim Stasi-Unterlagen-Beauftragten Roland Jahn
Im Stasi-Unterlagen-Archiv – ehemalige russische Häftlinge mit dem Bundesbeauftragten Roland Jahn (re.)

Die frühe Verabschiedung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes hat Deutschland in den 1990-er Jahren den Ruf eingetragen, den Kommunismus besonders vorbildlich aufzuarbeiten. Mittlerweile haben viele ehemals sozialistische Länder Regelungen gefunden, die den deutschen in nichts nachstehen – und in vielem sogar besser sind. Eine vergleichende Analyse in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

06.06.2011. Knapp  zwanzig Jahre ist es her, dass der Deutsche Bundestag das Gesetz über die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik verabschiedet hat, Ende September soll es zum achten Mal novelliert werden. Wieder einmal wird darüber diskutiert, mit welchen Instrumenten man die SED-Diktatur am besten aufarbeiten kann. Weiterlesen